Sie sind hier:  Home > Möwenbelästigung > Abschreckungsmittel
Nederlands | Français | Deutsch

Möwenbelästigung

Abschreckungsmittel

In der Vergangenheit wurden schon eine Menge von Abschreckungsmitteln getestet, um die Belästigung durch Möwen einzudämmen. Sehr lokal können einige Abschreckungsmittel schon mal für ein spezifisches Problem eine Lösung bieten, aber die Möwen gänzlich wegzubekommen, das wird nie gelingen. Sie sind nun einmal an der Küste zu Hause und werden hier auch immer bleiben.

Es ist vor allem wichtig, gegen die Belästigungen sehr zielgerichtet und durchdacht vorzugehen.


Arten von Abschreckungsmitteln

Verjagen

In einer städtischen Umgebung ist der Einsatz von Geräuschsignalen oder Raubvögeln, um Möwen zu verjagen, nicht offenkundig, einmal wegen der Geräuschbelästigung oder wegen begrenzter Sicht des Falkners. Darüber hinaus verlegt sich ganz einfach die Belästigung. Geräuschsignale können helfen, um die Möwen wieder zu lokalisieren, aber es tritt schnell eine Gewöhnung ein. Indem man das Signal regelmäßig verändert, kann der Abschreckungseffekt etwas länger anhalten. Wenn die Möwen keine Belästigung verursachen, dann lasse sie auch in Ruhe.

Plastikvögel oder Vogelflieger

Der Abschreckungseffekt ist meist nur von kurzer Dauer. Die schlauen Möwen gewöhnen sich schnell an die 'falschen' Vögel.

Empfängnisverhütung

In die Befruchtung von Eiern eingreifen, darf nur unter streng kontrollierten Umständen geschehen. Gleichzeitig ist es schwierig und teuer, die richtige Dosis des Mittels zu bestimmen und dafür zu sorgen, dass jeder Vogel dies auch einnimmt.

Fangen oder abschießen

Derartige Bekämpfungsformen haben keinen Sinn: für jede entfernte Möwe kommt an deren Stelle schnell eine andere, aus dem In- oder Ausland.

Vergiften

Es ist nahezu unmöglich, um Gift an die Möwen zu bekommen, ohne Gefahr für andere Tiere oder für den Mensch. Darüber hinaus ist das Vergiften dieser geschützten Tiere verboten.

Das Ausschlüpfen von Eiern verhindern

Unter außerordentlichen Umständen kann die Behörde eine Erlaubnis bekommen, um kurativ aufzutreten, wenn bereits Nester gebaut worden sind. Hierbei kann ein Ausschlüpfen verhindert werden.

1) Eier mit Paraffinöl behandeln:
Dies bildet eine undurchlässige Schicht rund um die Eier und sterilisiert sie. Die Eltern brüten darauf in Stille weiter.
Nachteile: nur anwendbar an leicht zugänglichen Stellen, das richtige Timing ist nötig (so schnell wie möglich nach dem Legen des Eies), arbeitsintensiv, teuer und schwerlich in großem Maßstab anwendbar. Darüber hinaus besteht die Chance, dass die Möwen neue Eier legen, weil das erste Gelege missglückte.

2) Eierattrappen:
Hierbei werden die echten Eier durch mit Sand gefüllte Plastikeier ersetzt. Die Eltern brüten auf den Eierattrappen weiter und sitzen still und ruhig auf dem Nest. Nachteil: nur anwendbar an leicht zugänglichen Stellen, arbeitsintensiv, teuer und schwerlich in großem Maßstab anwendbar.


Einige Beispiele aus der Praxis
(Belgien / Niederlande)

Oostende

Ende März 2007 begann man in Oostende mit einem Versuchsprojekt mit Falknern. Ziel war es, dem Brüten von Möwen auf den Dächern in der Innenstadt vorzubeugen. Die Falkner benutzten einerseits eine elektronische Geräuschapparatur (Warnschreie) und andererseits wurde eine Anzahl von Raubvögeln (Amerikanischer Wüstenbussard) eingesetzt. Die Raubvögel wurden zwei- bis dreimal pro Woche losgelassen. Die Kombination aus Alarmschreien und dem Flugbild der Raubvögel sollte das Brüten in der Innenstadt abwehren.

Dieses Versuchsprojekt wurde im Wohnblock rund um das 'Koninklijk Atheneum' (Rogierlaan-Euphrasine Beernaertstraat) und dem Block rund um die Feuerwehrkaserne (Wellingtonstraat-Velodroomstraat) gestartet, an 2 Stellen, wo in den vorherigen Jahren vielfältig Beschwerdemeldungen registriert wurden.

Das Projekt hatte zur Folge, dass die Möwen tatsächlich nicht in den zwei betroffenen Wohnblocks brüteten, aber man konnte einen Ortswechsel nach anderen Wohnvierteln feststellen, genauer zum Viertel 'Oud hospitaal'. Andere Störungen an den bestehenden Brutstellen, wie z.B. die Erneuerung der Dächer von 'Holzhandel Lemahieu', können auch mit zum Ortswechsel beigetragen haben. Die totale Anzahl von Brutfällen in Oostende nahm vermutlich nicht ab.

Die Stadt Oostende setzt auch ein Megafon mit dem Alarmschrei von verschiedenen Vogelarten (darunter die Silbermöwe) ein, um die Möwen an einer bestimmten Stelle zu verjagen. Dies hilft zeitweise und nur sehr lokal, aber wird nicht effektiv sein, um dem Brüten entgegenzutreten.

Mehr Information:
Jacky Dereu, Umwelbeamter ‘Dienst Leefmilieu’ (Stadt Oostende)
Vindictivelaan 1, 8400 Oostende (Plan)
T 059 56 20 02 | F 059 80 37 45
jacky.dereu@oostende.be | www.oostende.be

Nieuwpoort

Im Jachthafen von Nieuwpoort benutzt die 'VVW Nieuwpoort' ein Abschreckungssystem für Möwen auf Basis von Geräusch. Dieses System wird gezielt angewendet, um die Belästigung durch Möwenexkremente einzuschränken. Das System arbeitet ziemlich gut, doch es wurde festgestellt, dass Gewöhnung auftritt.

Mehr Information:
Dirk Riemaker, VVW Nieuwpoort Watersportlaan 11, 8620 Nieuwpoort (Plan)
T 058 23 52 32 | F 058 23 40 58
info@vvwnieuwpoort.be | www.vvwnieuwpoort.be

Brugge / Zeebrugge

In 2004 wurde im Hinterhafen von Zeebrugge eine Genehmigung erteilt, um Möwen von den großen Parkplätzen zum Transit von Personenwagen zu verjagen. Durch die Ausdehnung des Gebiets und die direkte Nähe von international bedeutenden Vogelgebieten, war der Einsatz von Falken an dieser Stelle jedoch räumlich und zeitlich begrenzt. Auf lange Sicht ist die Nutzung von überdeckten Parkeinrichtungen eine bessere Lösung.

Auf dem 'LNG Terminal' von Fluxys in Zeebrugge wird seit 2005 ein Abwehrsystem mit Geräuschen von kreischenden Möwen benutzt. Die Frequenzen der Geräusche sind unterschiedlich. Dieses System wirkt abratend, es sind deutlich weniger Möwen an den Stellen, wo die Geräusche abgespielt werden, zu sehen, aber eine 100-prozentige Lösung bietet es sicher nicht.

Mehr Information:
Herr Van de Walle, Fluxys: 050 36 66 01

Leiden (Niederlande)

In Leiden hat man in den vergangenen Jahren verschiedene Methoden ausprobiert, um die Vögel zu verjagen, jedoch mit wenig Erfolg:

  • Fangen durch einen Falkner. Zwei Saisons lang war in Leiden ein Falkner eingesetzt. Erst brach eine massive Panik unter den Vögeln aus, aber danach trat bei den Möwen ziemlich schnell Gewöhnung auf.
  • Einsatz von Fliegern mit Figuren von Raubvögeln und von Knackapparaten oder Schreckgeräuschen. Der Effekt war jedoch gering, weil sehr schnell Gewöhnung eintrat.
  • Schütteln von Eiern oder Imprägnierung von Eiern mit Paraffinöl (wodurch die Eierschalen keine Luft mehr durchlassen und der Embryo abstirbt) und Ersatz der Eier durch Steineier. Großer Nachteil dieser Methoden war, dass man dies in der Praxis nur mit einem Teil der Nester durchführen kann. Man muss die Aktion jede Saison wiederholen, und wenn die Möwe merkt, dass an dem Brutplatz keine Jungen schlüpfen, wird die Möwe höchstwahrscheinlich einen andern Platz aufsuchen, wo es dann klappt.
  • Dächer unzugänglich machen. Es ist möglich, das Dach für die Möwen mithilfe von Netzen und Metallspitzen unzugänglich zu machen. Hiermit wird einer Belästigung durch Nester auf dem unzugänglich gemachten Dach vorgebeugt. Gleichzeitig verlegt sich aber die Belästigung durch die Möwen nach anderen (in der Nähe gelegenen) Stellen.

Mehr Information:
Frits van der Sluis, Stadtbiologe Gemeinde Leiden
f.van.der.sluis@leiden.nl

Yerseke (Niederlande)

Auf den Muschelparzellen in der Oosterschelde in Höhe von Yerseke wurden von 1984 bis 2005 Falken (Wanderfalke und Habicht) eingesetzt, um die Möwen zu verjagen. Dies wurde vornehmlich aus Gründen der Volksgesundheit gemacht, weil die Exkremente der Vögel einen zu hohen Gehalt an fäkalen Bakterien zur Folge hatten. Der 'Marktverband Fisch' hatte hierfür einen Vollzeitfalkner angestellt. Diese Technik warf Früchte ab.

Durch eine strenger werdende Reglementierung bezüglich Hygiene wurden ab 2005 die meisten Betriebe überdacht, wodurch die Möwen von selbst wegblieben und das Verjagen mit Falken nicht länger nötig war.

Mehr Information:
Nico van Zantvoort, Productschap vis
T +31 113 57 90 50
Abschreckungsmittel